
Die Ausstellung
Der bedeutende Fotograf des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird an seinem ehemaligen Wirkungsort Loschwitz in seinem vielseitigen Schaffen präsentiert. Neben Ortsansichten, malerischen Landschaften und inszenierten Genredarstellungen sind auch Kotzschs „Studien nach der Natur“ zwischen Spätromantik und verblüffend moderner Bildsprache zu entdecken.
Anlass der Ausstellung ist das Erscheinen des über 1.000 Arbeiten umfassenden Werkverzeichnisses im Schirmer/Mosel Verlag. Ergänzt wird die Präsentation durch eine zeitgenössische künstlerische Annäherung an August Kotzsch von Martin Bertelmann.

Der Fotograf
August Kotzsch, Sohn eines Loschwitzer Weinbauern, firmierte ab 1861 als erster gewerblicher Fotograf in Loschwitz. Er dokumentierte nicht nur die Entwicklung des Ortes vom Weinbauerndorf zum Dresdner Villenvorort, sondern betätigte sich auch als fotografischer Ortschronist. Porträts der Loschwitzer Einwohnerschaft entstanden im improvisierten Atelier auf dem Hof seines Anwesens. Das dörfliche Leben und Arbeiten hielt er in idyllischen Genreszenen fest. Sind diese Aufnahmen eher pittoresken Charakters und thematisch wie gestalterisch der Spätromantik verhaftet, so gibt es auch den mit seiner Bildsprache in die Moderne vorausweisenden August Kotzsch. Dies manifestiert sich vor allem in seinen Naturstudien, denen sein Hauptinteresse als Fotograf galt. Nicht zuletzt die mit den Erzeugnissen seines Gartens arrangierten Stillleben lassen Kotzsch im Rückblick zu einem Vorläufer neusachlicher Fotografie werden.
Mit als künstlerische Vorlagenblätter angebotenen „Studien nach der Natur“ war August Kotzsch in den 1870 und 1880er Jahren sehr erfolgreich. Er beteiligte sich damit 1873 an der Weltausstellung in Wien und 1874 an der Jahresausstellung der Société française de Photographie in Paris. Durch Kooperation mit verschiedenen Verlagen konnte er die Studienblätter national wie international vertreiben.
Zur Eröffnung am Freitag, dem 27. März 2026 sprachen Jens Bove und Agnes Matthias.



Landmann und Photograph in Loschwitz bei Dresden 1836-1910
Werkverzeichnis
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Elbtal bei Dresden wegen seiner landschaftlichen Schönheit ein beliebter Künstlertreffpunkt. In Loschwitz, das 1921 nach Dresden eingemeindet wurde, trafen sich namhafte Maler, Architekten und Komponisten zur Sommerfrische. Loschwitz war auch die Geburtsstadt und Wirkungsstätte von August Kotzsch (1836-1910), der als "Photograph des deutschen Biedermeier" und einer der frühesten Chronisten einer Epoche gilt, deren Kunst und Gesellschaft von ersten Einbrüchen der Industrialisierung in die heile Welt dörflicher Idylle geprägt waren. In den 1980er Jahren wiederentdeckt, wird August Kotzsch jetzt mit einem umfangreichen Werkverzeichnis gewürdigt, das mehr als 1000 Abbildungen enthält und in Zusammenarbeit von Schirmer/Mosel mit dem Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V. und der Deutschen Fotothek entstand.
Hrsg. v. Verlag Schirmer/Mosel; 26 × 22 cm, 520 Seiten, 1075 Farbabb., ISBN 978-3-8596-1025-4 -- 98 €
ab sofort im Leonhardi-Museum erhältlich
